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Die
Vielschichtigkeit der Region, die vom Meer über Ebenen und üppige
Hügel bis hin zu den Bergen reicht, spiegelt sich in der Küche wider,
die ebenso vielseitig ist wie die Landschaftsbilder der Marken. Klima
und Beschaffenheit des Bodens haben seit jeher die Landwirtschaft der
Region beeinflusst, welche Erzeugnisse ausgezeichneter Qualität
hervorbringt. Diese sind fundamentale Bestandteile der besonders
schmackhaften und naturbelassenen Gerichte. In den letzten Jahren hat
sich in der Region der biologische Anbau durchsetzen können, der mit
vollkommen natürlichen Methoden Getreide, Obst, Gemüse, Wein und
Milchprodukte erzeugt. Der bäuerlichen Tradition entstammt eine Reihe
typischer Produkte. Der bereits seit der Römerzeit bekannte und
geschätzte Trüffel kommt in den Marken in zwei Arten vor: Der
Weisstrüffel ist charakteristisch für das Gebiet des Montefeltro und
das Oberland von Pesaro, der Schwarztrüffel für die Gebiete von
Macerata und Ascoli Piceno. Der Boden der Marken ist ideal für den
Anbau von Dinkel, ein köstliches Getreide, das schon in der Römerzeit
beliebt war. Auch der Honig hat antike Ursprünge. Er ist süss, nicht
sehr aromatisch und von heller Farbe. Er wird je nach Flora und den
Pflanzungen auf den Hügeln, welche den Bienen den Nektar liefern, in
verschiedenen Sorten erzeugt. Der Honig der Marken wird in der Küche
und für Backwaren verwendet und nach einem alten Brauch auch lauwarm zu
Grubenkäse gereicht. Sehr geschätzt ist auch das extrareine Olivenöl
der Marken, das seine Besonderheit einer Kombination verschiedener
Olivensorten verdankt.
Erster Gang
In den Marken bestehen nebeneinander zwei Küchen: Die des
Binnenlandes und die der Küste. Im Hinterland werden als traditionelle
warme Vorspeisen "Vincisgrassi" serviert, Pasteten aus dünn
ausgerolltem Eierteig mit Schichten aus Fleichragout, Mozzarella und
Parmesankäse. In der Anconitaner Art werden sie mit Béchamelsosse oder
einer Sosse aus Hühnerlebern zwischen den einzelnen Teiglagen
zubereitet. Verbreitet sind die "Cannelloni von Ascoli". sowie
die "Maccheroncini von Campofilone", dünne Tagliolini, die
ideal mit Fleischsosse sind, und die "Cresce", ein in Rauten
geschnittener, gekochter und erstarrter Getreide- oder Maisbrei. Sehr
geschätzt ist die "Crescia", eine Pizza aus Maismehl, die auf
Stein gebacken und mit Wurstwaren, Käse oder Gemüse gereicht wird.
Zart und köstlich sind die Tortelli von San Leo, grosse Ravioli mit
einer Füllung aus Ricotta, Spinat und wilden Kräutern. An der Küste
dagegen wird vor allem Fisch serviert. Charakteristisch ist die
Fischsuppe "Brodetto" in verschiedenen Macharten.
Ursprünglich war sie ein Gericht der Armen und wird in San Benedetto
del Tronto mit verschiedenen Fischsorten, grünem Paprika, unreifen
Tomaten und Essig zubereitet. In Porto Recanati wird der Fisch mit Mehl
bestäubt, dann mit verschiedenen Aromen zubereitet und am Ende der
Kochzeit mit Safran gewürzt. Andere Zubereitungen werden im Gebiet von
Ancona, Porto San Giorgio, Civitanova und Fano zusammen mit gerösteten
oder gebackenen Brotscheiben serviert.
 
Hauptgerichte
Unter den Hauptgerichten der Küste sind die Fischgerichte zu
erwähnen: Aussergewöhnlich ist der "Geheime Braten" bestehend aus Makrelen,
Sardellen und Sardinen, die in der Pfanne auf Holzkohle gebraten werden. Ebenso köstlich
sind die Brat- und Grillgerichte, die im Gebiet von Pesaro "Rostida" genannt
werden. Ausgezeichnet ist der Stockfisch mit Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln und Sellerie.
Im Gebiet von Macerata kann der Liebhaber von Süsswasserfischen die Forellen aus Sefro
kosten, die nach besonders schmackhaften Rezepten zubereitet werden. Im Binnenland dagegen
unterscheidet sich die Küche durch ihre sehr nahrhaften Zutaten. Die Aufzucht der weissen
Rinder, deren Fleisch allgemein geschätzt wird, geht auf das 1. Jh. zurück. Die
bäuerlichen Wurzeln der Marken drücken sich vor allem in den Schweinefleisch-Gerichten
aus. Neben den Braten bilden verschieden zubereitete Fleischgerichte die typische
Ernährungsgrundlage des Binnenlandes. Besonders schmackhaft ist das Spanferkel, das im
Holzofen geschmort wird. Seine Zubereitung ist perfekt, wenn die Kruste knusprig und das
Fleisch zart und aromatisch ist. Seinen charakteristischen Geschmack erhält das
Spanferkel durch Gewürze wie Fenchel, Rosmarin und Knoblauch, die für die Füllung
verwendet werden.
 
Wurstwaren
und Käse
Neben
dem Schinken von Carpegna werden in den Marken sehr charakteristische
Wurstwaren erzeugt: Geräucherte Schinken, Salami, z.B. der Ciauscolo in
Visso und im Gebiet von Macerata (auf hausgebackenes Brot zu streichen),
oder die "Gespickte" von Fabriano: Leberwurst oder Pressack, zu
dessen Zubereitung alle Teile des Schweines verwendet werden. Typisch ist
auch der "Ciarimbolo", der aus gesalzenem und mit Fenchel und
Pfefferschoten gewürztem Schweinedarm besteht, der eine Woche lang
geräuchert und dann auf dem Rost gegrillt wird. In der gesamten Region
werden hervorragende Käsesorten hergestellt, u.a. Schafskäse. Je nach
Erzeugergebiet werden sie nach verschiedenen Verfahren erzeugt. Ihr
ausgezeichneter Geschmack wird noch verfeinert, wenn der Käse aus Milch
hergestellt wird, die im April und Mai gemolken wurde, wenn auf den Weiden
frisches Gras, aromatische Kräuter und wohlriechende Blumen wachsen. Neben
der Casciotta von Urbino werden in den Marken auch die Caciotta von Fermo,
aus unterschiedlichen Anteilen aus Schaf- und Kuhmilch, hergestellt. Die
Caciotta, die nach kurzer Reifung als Frischkäse ausgezeichnet schmeckt,
wird manchmal in Walnuss- und Kastanienblätter gewickelt und in kleinen
Fässern gelagert. Auf diese Weise nimmt der Käse ein besonderes Aroma an
und reift langsam, wodurch er weich und zart bleibt. Dagegen wird
Ricotta-Käse nur ganz frisch gereicht und ist ein sehr leicht bekömmliches
Nahrungsmittel, ein Urprodukt der Schafskäse- oder Caciottaherstellung. Auf
keinen Fall darf man es versäumen, den Grubenkäse zu kosten, der mehrere
Monate lang in Tuffsteingruben gelagert wird und eine einzigartige
Spezialität darstellt. Er entstand durch den Einfallsreichtum der Bauern
von Talamello, die ihre Nahrungsmittel vor Plünderungen in den Gruben
versteckten. Der Grubenkäse wird auch zusammen mit Honig oder
Hagebuttenmarmelade gereicht, wodurch ein einzigartiger und ungewöhnlicher
Geschmackskontrast entsteht. |
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