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APULIEN - KUNSTHANDWERK

 

 

Mit Ausnahme der Goldschmiedekunst, die in Corato ideale Voraussetzungen für ihre Entwickung gefunden hat, herrschen in Apulien die Zweige des Kunsthandwerks vor, welche bescheidene Materialien wie Eisen, Lehm, Reisig, Holz und sogar Altpapier verwenden.

Weberei und Stickerei.
Unter den Formen des Kunsthandwerks, die aus dem Leben der Meierei ("masseria" genannt) stammen, eine Art selbstversorgender Zitadelle, typisch für den traditionellen Lebensstil auf dem apulischen Land, erfreut sich die Weberei und Stickerei noch heute grosser Lebendigkeit. Dieses Handwerk ist auf dem gesamten Territorium weit verbreitet, mit Spezialisierungen, die von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich sind. Eines der aktivsten Gebiete ist das von Lecce: in Maglie und Surano werden Teppiche aus Wolle und roher Baumwolle mit einer Technik hergestellt, die wahrscheinlich sarazenischen Ursprungs ist: die sogenannte "Lecceser Schleife" (“fiocco leccese”), welche der Oberfläche ein "lockiges" Aussehen verleiht. In Lecce, Galatina und Ruffano werden herrliche “Chiacchierinos” hergestellt, eine Stickerei aus sehr feiner Baumwolle, die mit einem kleinen Weberschiffchen verarbeitet wird und eine Art Spinnwebe mit konzentrischen Mustern bildet. Im Rest der Region werden handgearbeitete Stoffe im Gebiet des Gargano und von Bari hergestellt, die mit graphischen Motiven dekoriert werden, welche an der balkanischen Tradition inspiriert sind, sowie die Quersäcke von Alberobello, Einrichtungs-Textilien in Carpino und wertvolle Spitzen-Stickereien, die praktisch überall hergestellt werden, von Troia in der Provinz Foggia über Francavilla Fontana und Fasano in der Provinz Brindisi bis hin zu Capurso, in der Provinz von Bari, wo bei den Stickereien das Motiv der Weintraube vorherrscht.

Schmiedeeisen.
Wie in allen hauptsächlich landwirtschaftlichen Gebieten, war auch in Apulien der Schmied seit jeher ein "funktioneller" Handwerker, der vor allem landwirtschafliche Geräte herstellte. Seine Aufgabe, Wohnhäuser und Kirchen zu verstärken und zu verzieren, erfuhr erst später einen Aufschwung und ab diesem Zeitpunkt entstand die Tradition des apulischen Schmiedeeisens. Von hoher Qualität sind die Arbeiten von Mattinata und Cerignola in der Provinz Foggia, wo zahlreiche Haushalts-Gegenstände und kleine Dekorationen hergestellt werden, sowie in Gravina in Puglia, in der Provinz Bari, wo sich die Schmiede auf die Herstellung von Kunstgegenständen und kleinen Statuen spezialisiert haben. In der Provinz Lecce hat die grosse Tradition des Barocks auch die Aktivitäten der Handwerker beeinflusst, die sich vor allem der Herstellung von aufwändigen Kerzenständern, Lampen und Gittern widmen.

Keramik und Terracotta.
Die Herstellung von Gegenständen aus Keramik und Terracotta ist ohne Zweifel das am weitesten verbreitete Handwerk in Apulien, begünstigt durch die Tatsache, dass im Territorium eine grosse Menge an rotem Lehm vorhanden ist. Die grösste Produktion findet in Grottaglie statt, in der Provinz Taranto; jahrhundertelang stellte die Herstellung von Keramik in dieser Ortschaft die Haupterwerbsquelle der Bewohner dar. Es hat sich ein richtiggehendes Stadtviertel der Keramik entwickelt, das sich hinter dem dem Schloss befindet und wo die Werkstätten -einige sind in Grotten eingerichtet- noch heute die traditionellen Handwerkstechniken anwenden. In der Vergangenheit wurden hauptsächlich Gegenstände für den allgemeinen Gebrauch hergestellt, wie Geschirr, Behälter für Getränke und Objekte, die im Bauwesen verwendet wurden. Seit diverser Zeit sind immer raffiniertere Gegenstände dazugekommen, Ergebnis einer zukunftsorientierten Entwicklung, die aber ihre Wurzeln nicht vergisst und welche die Keramiken von Grottaglie weltberühmt gemacht hat. Weitere interessante Zentren der Keramikherstellung befinden sich in den Provinzen Foggia, Bari und Lecce, wo man besonders schöne Gegenstände aus roher Terracotta herstellt. Ausser der klassischen Produktionen von Gebrauchs- oder Dekorationsgegenständen, sind die künstlerischen Krippen, Weihwasserbehälter und Puppen erwähnenswert. Zu den ausgefallensten Produktionen gehören die Pfeiffen. Die Zentren, in denen die Herstellung von Pfeiffen eine richtiggehende lokale Institution darstellt, sind Rutigliano in der Provinz Bari, sowie Ostuni in der Provinz Brindisi, wo diese Gegenstände sogar Hauptdarsteller von unterhaltsamen Veranstaltungen und Volksfesten sind.

Pappmaché.
Herausragende Beispiele von Gegenständen aus Pappmaché sind die Faschingswagen im Karneval von Putignano; die raffinierte Kunst des Pappmachés hat sich vor allem in der Gegend von Lecce entwickelt, wo sich die Handwerker hauptsächlich der Herstellung von religiösen Figuren widmen, wie Engel, Heilige, Madonnen, Christusfiguren und Krippen, die mit Wachs oder Gips bestrichen und mit lebhaften Farben dekoriert werden. Um diese Meisterwerke herzustellen, wird das Papier zuerst eingeweicht, mit Mottenmittel desinfiziert und in der Sonne getrocknet; anschliessend wird es mit Zellulose, Stärke und Harz angereichert. So erhält man eine gleichmässige Paste, die per Hand oder in Terracotta-Formen modelliert wird. Wenn der Gegenstand die gewünschte Form angenommen hat, wird er gebrannt und eingegipst, um die Form definitiv zu fixieren. Letztendlich wird die Oberfläche mit Gummilack abgedichtet und per Hand dekoriert; häufig verwendet man ausser der Malerei auch Abziehbilder, sowie die Imitation von wertvollen Metallen.

Flechtarbeiten.
Die Flechtarbeiten sind eine der wenigen Formen der Handwerkskunst, die ihr Überleben hauptsächlich einer Veränderung ihres Verwendungszwecks verdanken. Zahlreiche traditionelle Gegenstände werden rigoros wie früher hergestellt, aber vollkommen anders verwendet, wie z.B. die "fiscoli", kreisförmige Filter aus Binsen, auf die in den Olivenpressen die Olivenpaste gestrichen wird und der "crivelli", Siebe mit breitem Netz, die zum Trocknen der frischen Nudelöhrchen dienten und heute hauptsächlich als Matten oder Teppiche verwendet werden. So ist es auch bei den Fischreusen, die von den Fischern von Vieste hergestellt werden und über Jahrhunderte unverändert geblieben sind, heutzutage aber immer häufiger als Dekorationsgegenstände verwendet werden. Gleichbleibend ist hingegen die dekorative Funktion der geflochtenen Gegenstände, die anlässlich des Osterfestes verwendet werden, wie die Kronen aus Stoppeln und Stroh, welche typisch sind für Gravina in Puglia, sowie die Palmen von Veglie, in der Provinz Lecce.