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APULIEN - SCHLÖSSER UND BURGEN

 

 

Die geographische Lage hat Apulien zu einer natürlichen Verbindungsbrücke zwischen Orient und Okzident gemacht; die Region stellte seit jeher einen Anlaufpunkt für die unterschiedlichsten Völker und Zivilisationen dar. Nach dem Untergang des Römischen Reiches folgten verschiedenste Herrscher aufeinander, von denen jeder seine individuellen Spuren hinterlassen hat. Die Byzantiner verwendeten ein Verteidigungs-System, dem der Bau von Befestigungen zugrunde lag, wie die "Corte del Catapano" in Bari. Die Normannen riefen ein artikulierteres System ins Leben; zur römisch-stauferschen Epoche wurde der grösste Teil der Schlösser der Capitanata und des Gebietes von Bari erbaut - in dieses Netz fügte sich das Werk des Staufers Friedrichs II. In der Renaissance wurden Schlösser und Festungen erbaut, um sich vor den Bedrohungen und Gefahren, die vom Meer her kamen, zu schützen; die Spanier befestigten hauptsächlich die Küste, indem sie häufig bereits vorhandene Burgen anpassten und sie uneinnehmbar machten. In der Zwischenzeit beschlossen Lehnsherren, Grafen, Herzöge und Prinzen, ihrer Autorität neues Gesicht zu verleihen und nicht nur Herren des Krieges zu sein, sondern auch der Kunst und der Kultur; so begannen ihre Häuser diese veränderte Tendenz widerzuspiegeln. Sowohl in strategischen Vorposten als auch in den Städten wurden die alten Schlösser von den regierenden Lehnsherren renoviert, wobei vor allem darauf geachtet wurde, die strengen Befestigungen freundlicher zu gestalten. Zu den bekanntesten Schlössern gehören:

Castel del Monte.
Das Schloss, welches nach dem Willen Freidrichs II. um das Jahr 1240 erbaut wurde, ist das berühmteste der zahlreichen Stauferschlösser Apuliens; die Symbolik des häufigen Gebrauchs der Zahl Acht (äusserer Umfang des Hofes, Form und Zahl der Türme) und seine ungeklärte Bestimmung tragen zur Faszination dieses eindrucksvollen und majestätischen Bauwerks bei. Wegens seiner Einzigartigkeit wurde es 1996 von der UNESCO zum Welterbe der Menschheit erklärt. Besonders erlesen ist auch die Ausstattung mit Skulpturen der sechzehn Säle, wo sich am klassischen Repertorium inspirierte Motive vereinen mit Elementen aus der europäischen Gothik und der arabischen Kultur. 1876 wurde es vom italienischen Staat in einem ziemlich verwahrlosten Zustand erworben und durch aufwändige Restaurations-Arbeiten wiederhergestellt.

Schloss von Bari.
Das Schloss von Bari wird Ruggero dem Normannen zugeschrieben und wurde im Jahre 1131 erbaut; es wurde auf bereits vorhandenen Wohngebäuden aus byzantinischer Epoche errichtet. Friedrich II. setzte das Schloss, welches von Wilhelm "dem Bösen" 1156 beschädigt wurde, zwischen den Jahren 1233 und 1240 wieder instand, unter Verwendung der noch vorhandenen Struktur der äusseren Ringmauer und der Türme. Weitere wichtige Arbeiten würden von Karl I. während der angionischen Herrschaft durchgeführt. In Jahre 1500 wurde unter Isabella d'Aragona und ihrer Tochter Bona Sforza die Bastion erbaut und der zentrale Hof mit einer Treppe und einer doppelten Rampe ausgestattet. Später wurde das Schloss als Gefängnis verwendet und anschliessend als Kaserne. Heute ist es Sitz dea apulischen Amtes für Archäologie, Landschaftsschutz, sowie geschichtliches, künstlerisches und demoethnoantrophologisches Vermögen.

Schloss von Trani.
Das Schloss, welches auf Wunsch Friedrichs II. im Jahre 1233 erbaut wurde, hat bis heute seine ursprüngliche Struktur bewahrt, die im Jahre 1249 von Stefano di Romualdo Carabarese nach einem Projekt von Filippo Cinardo erbaut wurde. Zwischen den Jahren 1533 und 1541 wurde das Bauwerk durch Karl V. den veränderten Bedürfnissen angepasst, die durch die Verwendung von Feuerwaffen entstanden: der südliche Teil wurde verstärkt und mit Kanonieren ausgerüstet; zwei Bastionen wurden erhöht, um den vollständigen Schutz der gesamten Anlage zu gewährleisten. Von 1586 bis 1677 wurde das Schloss Sitz der "Sacra Regia Udienza" der Provinz Bari; von 1832 bis 1844  wurde es in Gefängnis umfunktioniert; im Jahre 1848 wurde am östlichen Eingang der kleine Uhrturm hinzugefügt.

Schloss von Copertino.
Die Festung, die zu den grössten Apuliens gehört, wurde auf Wunsch Alfonso Castriotas erbaut, nach einem Projekt des Architekten Evangelista Menga. Das Gebäude wurde 1540 fertiggestellt. Im Innenhof verlaufen riesige Verbindungstunnels zu den Bastionen; zur Linken befindet sich der mit Säulengängen versehene Palast Pinelli-Pignatelli mit seinem besondes wertvollen Tor. Sehenswert ist auch die Kapelle des Hl. Markus, mit Fresken des Manieristen Gianserio Strafella und die Reste einer weiteren Kapelle mit Fresken aus dem 4. Jahrhundert, die während der Restaurierungen zutage kamen.

Schloss von Otranto.
Das aragonische Gebäude wurde zwischen 1485 und 1498 von Ferdinand I. von Aragona erbaut, nach einem Projekt von Ciro Ciri unter Beteiligung von Francesco di Giorgio Martini. Beim Bau wurden die stauferschen Befestigungen und die von den Türken (welche 1480 die Stadt über ein Jahr lang besetzten) eingeführten Verbesserungen integriert. Die von einem Graben umgebene Festung hat eine fünfeckige, unregelmässige Struktur, drei zylindrische Türme und, auf der Meerseite, eine Bastion, die zusammen mit den äusseren Bastionen im Jahre 1578 hinzugefügt wurde; auf der Bastion befinden sich die Wappen von Antonio De Mendoza und Don Pedro da Toledo. Am Eingangstor ist das grosse Wappen Karl V. zu sehen.

Schloss von Tarent.
Das Schloss von Tarent, auch Castel Sant'Angelo genannt, befindet sich auf der Halbinsel der Altstadt. Es stammt aus dem Jahre 916, als die Byzantiner sie auf den Ruinen der Stadt erbauten, die durch einen Angriff der Sarazenen zerstört wurde, und sie "La Rocca" nannten. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts beauftragte Ferdinando d'Aragona die Architekten Giorgio Martini, Ciri und Acquaviva, das Schloss zu vergrössern und ihm eine aktuelle Struktur zu verleihen; seitdem wurde nur einer der fünf Türme, welche die Mauern verbinden, im Jahre 1830 abgebrochen, um der Drehbrücke und dem schiffbaren Kanal Platz zu machen. Am Ende des 17. Jahrhunderts verlor die Anlage an Bedeutung als militärischer Stützpunkt und wurde zum Gefängnis umfunktioniert. Erst im napoleonischen Zeitalter kehrte es zu seiner herkömmlichen Bestimmung zurück. Seit 1887 ist es Sitz der Militärmarine.

Schloss von Monopoli.
Das Schloss von Santo Stefano erhebt sich auf einer kleinen Halbinsel, die in der Antike "Turris Paola" genannt wurde, florierendes römisches Emporium, drei Kilometer in südlicher Richtung vom bewohnten Zentrum entfernt. Es wurde am Ende des XI. Jahrhunderts von Goffredo d'Altavilla erbaut und anschliessend den Benediktinermönchen anvertraut, die ein blühendes Kloster daraus machten. Die Kloster-Burg wird charakterisiert von einem grossen Innenhof, in dessen Zentrum sich ein antiker Brunnen befindet. Im Jahre 1229, während der harten Kämpfe zwischen Papsttum und Kaiserreich, wurde die Abtei von Friedrich II. vollkommen zerstört, da er die Mönche dafür bestrafen wollte, dass sie zugunsten des Papstes eingetreten waren. Einige Jahre später liess der Abt Riccardo die Kirche wieder aufbauen und im Jahre 1296 vervollständigte der Abt Matteo das Werk, indem er das Kloster wieder aufbaute. Zur Zeit ist das Schloss Eigentum der Familie de Bellis, die es zu seinem früheren Glanz zurückgeführt hat.